Libanon - Was bleibt, wenn die Welt nicht mehr hinschaut?
Shownotes
**Schön, dass ihr hier seid! **
Für diese erste Folge sind wir in den Libanon gereist. Sophia kennt das Land seit zehn Jahren, für Steffi war es die erste Reise dorthin. Mitgebracht haben wir Begegnungen, die uns nicht mehr loslassen. Rania erzählt uns bei Sonnenuntergang an der Strandpromenade von Beirut von ihrer furchtbaren Flucht aus dem Süden. In Nabatieh stehen wir in den Trümmern des Marktplatzes und auf einem Friedhof, auf dem zwischen zerbrochenen Grabsteinen die Frage nach roten Linien im Krieg laut wird. In Sur zeigt uns Mohammed Suleiman, welchen Preis Helfer im Libanon zahlen. Am Ende suchen wir nach dem Funken Hoffnung in dem immer noch anhaltenden Konflikt.
Danke an alle, die uns ihre Geschichten anvertraut haben, und an unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort, ohne die diese Reise nicht möglich gewesen wäre.
Auf unseren Social Kanälen könnt ihr regelmäßig, Videos und Zusatzinformationen von unseren Reisen, vor allem aber von den Geschichten und Menschen vor Ort sehen, die wir im Podcast besprechen. Also folgt uns gerne, um nichts mehr zu verpassen!
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**[Q1] **
1,2 Millionen Vertriebene
https://www.aljazeera.com/gallery/2026/4/6/israeli-airstrikes-devastate-lebanese-villages-and-displace-millions
**[Q2] **
455 israelische Projektile
https://unsoh.unmissions.org/en/peacekeeping/news/lebanon-un-peacekeepers-count-hundreds-of-israeli-strikes-and-incursions-in-a
**[Q3] **
341.000 Vertriebene, September 2026
https://dtm.iom.int/taxonomy/term/7
[Q4] Israelischer Angriff tötet 12 Menschen
https://apnews.com/article/mideast-iran-us-hormuz-lebanon-israel-691deb2ccb571ec83c552efb794568cd
[Q5]
Human Rights Watch - Zivile Ziele
https://www.hrw.org/news/2026/03/23/israels-displacement-of-civilians-in-lebanon-is-a-possible-war-crime
[Q6]
Hisbollah - Einstufung Deutschland https://dip.bundestag.de/vorgang/einstufung-der-hisbollah-als-terroristische-organisation/245598
[Q7]
Hisbollah - Einstufung Europäische Union
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/en/TXT/HTML/?uri=CELEX:32019D1341
**[Q8] **
Angriffe auf Nabatieh - Juni 2026
https://today.lorientlejour.com/article/1539560/israel-strikes-nabatieh-fawqa-killing-1-injuring-3-releases-7-people-held-captive.html
**[Q9] **
Weltgesundheitsorganisation - Verletzte oder getötete Hilfskräfte
https://cdn.who.int/media/docs/default-source/2021-dha-docs/phsa-lebanon_july2025.pdf2.
**[Q10] **
Weltgesundheitsorganisation - Verletzte oder getötete Hilfskräfte - März 2026
https://lebanon.un.org/en/312695-joint-statement-un-humanitarian-coordinator-lebanon-imran-riza-and-who-representative3.
[Q11]
Angriffe auf medizinisches Personal
https://www.hrw.org/news/2024/10/30/lebanon-israeli-attacks-medics-apparent-war-crimes
[Q12]
Angriff nahe Jabal-Amel-Krankenhaus, Juni 2026
https://news.un.org/en/story/2026/06/1167621
Transkript anzeigen
00:00:01: Man hat keine Tränen mehr, wenn ich das so sagen darf.
00:00:04: Man hat so viel Träne vergossen, dass sich zu meinem Mann manchmal sagt, weiß gar
00:00:08: nicht mehr wohin mit deiner Trauer?
00:00:10: Alles was man hatte ist weg!
00:00:22: Willkommen zur ersten Folge von Spotlights.
00:00:26: Ich bin Sophia Meyer, ich bin Reporterin und Journalistin Und heute im Gespräch mit meiner lieben Kollegin und Producerin Steffi Cologio Ebenfalls Journalistin und wir arbeiten schon sehr lange zusammen.
00:00:38: Wir haben sehr viel gemeinsam auf dieser Welt erlebt, und machen jetzt dieses Projekt gemeinsam.
00:00:43: Hallo zusammen!
00:00:44: Wir freuen uns sehr, dass ihr dabei seid.
00:00:47: Mit Spotlights wollen wir Schlaglichter auf die Orte, auf die Themen und auf die Menschen werfen, die sonst oft in der Berichterstattung bei uns im Land zu kurz kommen oder vielleicht sogar ganz aus dem Fokus verschwunden sind.
00:00:59: Und dafür spreche ich mit Betroffenen, mit Experten aber auch mit Entscheidungsträgern und eben manchmal so wie heute mit meiner Producerin Steffi.
00:01:08: Ihr könnt auf all unseren Kanälen Kurzinterviews finden, kleine Reportagen eine Menge exklusiven Content zu den Themen, die wir hier besprechen.
00:01:18: Und die Verlinkungen packen wir euch auch in die Show Notes.
00:01:21: und ganz wichtig – Wir wollen vor allem die Menschen vor Ort sprechen lassen!
00:01:24: Weshalb ihr jetzt immer wieder Oh-Töne dieser Menschen im Podcast hören werdet?
00:01:30: Genau.
00:01:31: Zu Beginn dieser Folge habt ihr Rania gehört.
00:01:33: Eine Frau, die wie im Libanon getroffen haben.
00:01:36: Das ist das erste Land für euch bereist haben und dass es in den nächsten Folgen gehen soll.
00:01:42: Sophia, du warst ja – wer dich kennt?
00:01:43: Du warst in den vergangenen Jahren in vielen Kriegs- und Friesengebieten unterwegs auch oft im Libanon.
00:01:49: Warum hast du denn ausgerechnet den Libanonn als erstes Land für unsere Reise vorgeschlagen?
00:01:54: Viele gute Gründe!
00:01:55: Vor allem weil der Libannon bei uns gerade fast komplett außer Nachrichten verschwunden ist.
00:02:00: es mein Eindruck.
00:02:01: Während der großen Eskalation wurde natürlich super viele berichtet über die israelischen Angriffe, den täglichen Raketenbeschuss und über die eine Million Menschen verdrieben wurden.
00:02:11: Inzwischen ist es aber bei uns viel ruhiger um das Land geworden.
00:02:15: Aber für die Menschen dort ist der Krieg überhaupt nicht vorbei.
00:02:19: Und genau darum soll's ja bei Spotlights gehen.
00:02:21: wir wollen eben zeigen was danach passiert wenn diese große Aufmerksamkeit weg ist und wie es den Menschen dann geht der Krieg vorbei ist oder in diesem Fall sogar noch weitergeht und kaum noch die Menschen hinschauen.
00:02:34: Und ja, mein Lieber noch wieder schon gesagt hast kommt bei mir natürlich dazu ich kenne das Land sehr gut.
00:02:39: Ich bin seit zehn Jahren regelmäßig dort.
00:02:41: Ich hab zeitweise dort gelebt und wir wollten eben ganz bewusst auch nicht nur in die Hauptstadt Beirut sondern uns auch in den Süden bewegen wo weiterhin Krieg herrscht.
00:02:51: Jetzt sind wir in die Folge gestartet mit Rania zur Erinnerung.
00:02:56: sie sagte Sie habe keine Tränen mehr Und sie wissen einfach nicht wohin mit ihrer Trauer.
00:03:01: Magst du uns einmal erzählen, wer Rania genau ist und ob es einen bestimmten Grund hat warum genau diese Aussage für den Beginn der Folge ausgesucht wurde von dir?
00:03:12: Also Rania ist Libanesin, aber hat sehr lange in Deutschland gelebt.
00:03:15: Sprich deswegen auch perfektes Deutsch und ich fand sie von Anfang an so spannend weil sie eben beide Perspektiven kennen.
00:03:21: Sie weiß wie in Deutschland auf den Libanon oder diesen Krieg geguckt wird Und gleichzeitig weiß je aus nächster Nähe was es bedeutet in diesem Krieg selbst zu leben.
00:03:32: Und dieser Satz mit den Tränen, dass sie keine Träne mehr hatte ist einfach so bei mir hängen geblieben.
00:03:37: Sie erzählt uns in diesem Gespräch, das wir mit ihr hatten von der Flucht und der Angst und all dem was sie in den vergangenen Jahren erlebt hat.
00:03:44: Solange geht es da jetzt ja auch schon so?
00:03:46: Das Verrückte bei ihr... Wir sprechen darüber die schlimmsten Dinge.
00:03:49: Sie erzählt von diesen Schrecken des Krieges und gleichzeitig haben wir sie ja mitten in Beihut getroffen am Meer.
00:03:57: ich glaube Es war kurz vor Sonnenuntergang, es sah wunderschön aus.
00:04:00: Menschen sind da die Promenade lang gelaufen, Leute haben ... sind im Wasser geschwommen und Kinder haben gespielt.
00:04:07: und sie erzählt von Krieg und Verlust und von Tod ja?
00:04:12: Und das ist ein ganz gutes Beispiel wie kontrastreich diese Realitäten im Libanon sind.
00:04:17: Ich fand dieser Kontrast hat sich auch in Rania selbst gezeigt.
00:04:21: Sie erzählt natürlich von sehr, sehr schlimmen Dingen die ihr und ihrer Familie passiert sind.
00:04:26: Aber sie hatte so viel Wärme und auch eine gewisse Lust und Freude in sich trotz ihrer super schwierigen Lage und ja auch der Ungewissheit wann es für sie und ihre Familie tatsächlich wieder nach Hause geht, ihre Geschichte zu erzählen und uns zu öffnen und dir auch mitzuteilen was ihr widerfahren ist.
00:04:45: Und hast du im Gespräch mit ihr verstanden warum mir das so ein großes Anliegen ist?
00:04:49: Total und ich glaube ich Ich weiß gar nicht, ob es wirklich so eine Lust war.
00:04:53: Eher ich hatte das Gefühl ein tiefes Bedürfnis.
00:04:55: So dieses Bedürfenis bitte seht uns hier im Libanon und sie hat die Chance ergriffen mit uns zu sprechen weil sie weiß, so wird meine Geschichte und meine Stimme nach Deutschland getragen und so wird hoffentlich auch das Leid der Menschen dort vor Ort gesehen.
00:05:10: und ich kenne das tatsächlich aus vielen Konfliktregionen.
00:05:14: gerade in dieser Region sagen wir Menschen immer wieder Sofia, wir haben auch das Gefühl dass unser Leben und unsere Realität in euren Debatten im Westen weniger eine Rolle spielt.
00:05:25: Und auch weniger wert ist.
00:05:26: da sind wir dann eben die Araber oder die Palästinenser, die Libanesen und es wird immer weniger ja unserer Realität als einzelner Mensch wahrgenommen und ich glaube Dahinter steckt ein ganz starkes Bedürfnis, zumindest meinen Eindruck.
00:05:42: Die Menschen erwarten jetzt gar nicht unbedingt dass du genau ihre politischen Positionen oder ihre Sichtweisen übernimmst.
00:05:47: Darum geht es nicht!
00:05:49: Wir müssen nicht zu einem zustimmen aber sie wollen und das finde ich sehr nachvollziehbar, dass ihr Leben, ihr Leid und Ihre Geschichte genauso gesehen wird wie das anderer Menschen.
00:05:59: und ja... Dass es vielleicht auch dann noch Interessant ist und auch bei uns stattfindet, auch in den Nachrichten stattfindets Auch wenn der Krieg nicht mehr so frisch ist und so aktuell ist.
00:06:13: Du sprichst aber was ganz Wichtiges an, den Leuten halt auch zuhören, auch wenn es nicht mehr aktuell ist?
00:06:17: Wir haben da noch einen zweiten Urton von Rania.
00:06:20: Sie beschreibt die Flucht mit ihrer Familie in den frühen Morgenstunden.
00:06:24: Plötzlich waren die Bomben ... Die Bomben sind so laut in unserer Wohnung dass unsere ganze Wohnung das ganze Bäude hat gezittert.
00:06:35: Und dann bin ich nur noch rausgelaufen, hab meinen Kopf doch geschnappt.
00:06:37: Dann habe ich gesehen
00:06:40: wie die Nachbarn die Koffer
00:06:42: aus dem dritten Stock geschmissen haben auf ihre Autos drauf und voller Panik einfach nur noch heraus aus unserem Wohngebiet.
00:06:52: In dem Moment habe ich gedacht entweder jetzt wir sofort raus hier oder wir sterben jetzt hier weil ... Die Flugzeuge, die Kampfjets waren genau ober unserem Haus, in dem wir leben.
00:07:05: Und wir sind einfach nur so schnell wie möglich raus mit Schlappen und Bajamas.
00:07:12: Wir haben nichts mitgenommen außer die Töche, die man sowieso paratel mit Pesten unten ein bisschen
00:07:17: baggelt.".
00:07:19: Ja ich finde diesen O-Ton so heftig weil er eben So deutlich macht, was Flucht eigentlich wirklich bedeutet.
00:07:26: Wir lesen immer nur Flucht geflüchtete so und so viele Zahlen und da beschreibt es mal ein Mensch ganz konkret, dass du innerhalb von wenigen Sekunden aus deinem Haus rennen musst Erstens ob du zurückkommst, wir wissen vor allem ob du jetzt diesen Moment überhaupt überlebst.
00:07:41: Und auch dieses Detail mit der Tasche die da immer fertig gepackt steht wo dann Pässe drin sind, Bargeld und die wichtigsten Sachen.
00:07:48: Da ist Rania überhaupt kein Einzelfall eine meiner besten Freundinnen in Beirut.
00:07:53: Die lebt mit ihren beiden Kindern im Süden der Stadt und das ist immer.
00:07:57: jedes Mal wenn ich zu besucht bin und reinkomme sehe ich an der Tür genau diese Taschen für die ganze Familie die da gepackts sind einfach für den Fall dass sie wieder fliehen.
00:08:07: Ich finde das wirklich schwer vorstellbar.
00:08:08: Man lebt so ein völlig normales Familienleben zu Hause mit Kindern und auch bei uns, also die Vorstellung ist bei mir zwei Jahre lang eine Tasche an der Tür steht, die ich theoretisch jede Sekunde greifen muss weil ein Kampf-Chat über mir fliegt?
00:08:23: Nee und es zeigt ja auch dass diese Menschen gar keine Chance haben zur Ruhe zu kommen.
00:08:26: Also selbst wenn mal von Waffenruhe gesprochen wird oder es eine kleine Erleichterung bei den Kämpfen in Konflikten gibt, steht diese Tasche immer noch da als Reminder dass es jederzeit passieren kann und dass man vorbereitet sein muss, weil sie Kunden überleben und Tod entscheiden.
00:08:41: Wenn es tatsächlich passiert?
00:08:43: Wie viele Menschen im Libanon erleben denn ähnliche Situationen wie Rania und deine Freundinnen?
00:08:48: Das betrifft hunderttausende Menschen!
00:08:49: Wir hatten bis zu eins, zwei Millionen Menschen die im Libananon auf der Flucht waren und das sind immer noch ganz viele nicht zurückgekehrt.
00:08:56: aber teilweise ist es auch bis heute so, dass die Angriffe schon so nah sind, dass diese Menschen im besten Fall noch die Chance haben diese Tasche schnell zu packen rauszukommen Und eben überleben und bei dem Angriff nicht getötet werden.
00:09:09: Ich glaube, man muss auch verstehen für ganz viele ist es ja nicht die erste Flucht.
00:09:13: ich kenne Menschen im Libanon Die sind in den vergangenen Jahren zwei drei vier fünf sechs Mal teilweise sieben acht mal geflohen und Du suchst dir dann irgendwo einen sicheren Ort und dann kommst du zurück und kannst gerade mal so durchatmen.
00:09:28: das habe ich mit meiner Freundin erlebt.
00:09:30: und ein Monat später bist du wieder auf der Flucht und wieder, bei der nächsten Eskalation.
00:09:38: Und im besten Fall kommst du dann zurück und dein Haus steht noch.
00:09:41: aber oft ist es ja leider so dass dein Haus nicht mehr steht oder komplett zerstört ist.
00:09:59: Die Zerstörung haben wir auch vor Ort eindrücklich an vielen Stellen gesehen.
00:10:04: wie ist denn gerade die Lage in Libanon?
00:10:07: Gibt das überhaupt eine Besserung?
00:10:08: wenn
00:10:08: wir sagen der Krieg ist vorbei Stimmt das für den Süden des Libanons auf keinen Fall?
00:10:14: In Beirut ist es schon so, dass der alltag in weiten Teilen zurückgekehrt ist.
00:10:18: Aber im Süden gibt es weiterhin israelische Luftangriffe, Drohnenflüge und natürlich auch Angriffe der Hezbollah.
00:10:25: also der Krieg ist dort tagtäglich.
00:10:28: Und mal ganz kurz ein paar Zahlen.
00:10:30: Ich weiß, wir wollen es nicht nur mit Zahlen um uns werfen aber damit man versteht was da immer noch los ist.
00:10:35: Allein an einem einzigen Wochenend im August sind von der UN-Fürhundertfünfzig israelische Projektile gezählt worden die im Südlibanon abgefeuert wurden.
00:10:44: Dazu gab es siebenundneunzig Verletzungen des libanesischen Luftraus und die meisten davon natürlich durch Drohnen.
00:10:50: Im vergangenen Monat waren noch über dreihundertfünfzigtausend Menschen innerhalb des Libanons vertrieben, Und es werden auch weiterhin Menschen getötet.
00:11:01: Es gab jetzt erst den Fall Anfang September Da wurden bei einem israelischen Angriff auf ein Dorf im Süden mindestens zwölf Menschen getöte darunter auch wieder zwei Kinder und vier Frauen.
00:11:13: Das heißt, wir reden eigentlich nicht über die Folge eines Krieges der irgendwann stattgefunden hat.
00:11:18: Sondern die Menschen erleben diesen Krieg bis heute und werden bis heute getötet.
00:11:24: Und selbst wenn die Bewohner zurückkommen können, heißt es ja noch lange nicht dass sie dann wieder ein normales Leben dort führen können.
00:11:31: ganze Wohngebiete sind zerstört, teilweise Dörfer wurden komplett im Erdbodengleis gemacht.
00:11:37: Die Wasserversorgung, die Infrastruktur, landwirtschaftliche Flächen wurden beschädigt und die Organisation Human Rights Watch spricht da tatsächlich auch von vorsätzlicher Zerstörung ziviler Häuser- und Infrastruktur eben durch das israelische Militär.
00:11:54: Und das ist für mich eigentlich das dramatische Menschen gehen zurück, versuchen Häuser aufzubauen, versuchen wieder Geschäfte aufzumachen und gleichzeitig fliegen Drohnen über ihre Köpfe.
00:12:05: Und wie schwierig sich das dann wohl ergestaltet kann man sich ja vorstellen?
00:12:09: Du beschreibst ja... Zwei Realitäten, vielleicht auch mehr als zwei im Libanon gibt.
00:12:16: In Beirut mag sich die Lage augenscheinlich beruhigt haben aber wie du beschreibst der Süden da findet man noch Kampfhandlungen statt.
00:12:24: das war ja am Ende auch der Grund warum wir entschieden haben dort hinzufahren um uns die Lage anzuschauen mit den Betroffenen vor Ort zu sprechen und Ich muss ja gestehen, das war meine erste Reise in Liban und ich kannte dieses Land vorher nicht sehr gut.
00:12:38: Also es hat mich schon etwas schockiert als wir dann tatsächlich weiter an den Süden gefahren sind.
00:12:44: Das Erste was mir aufgefallen ist in der Region, dass ganz viele Flaggen der Hispola links und rechts an den Straßen hängen Und das wird euch vielleicht auch in den Videos auf unseren Kanälen auffallen.
00:12:55: Das könnt ihr euch nämlich immer anschauen, zusätzlich zum Podcast.
00:12:59: Es ist für mich als Deutsche, wo sie als Terrororganisation eingestuft ist natürlich erstmal sehr befremdlich dass es da so offen hängt und ich weiß das ist eine sehr komplizierte Lage wie's mit der Hezbollah steht.
00:13:10: aber vielleicht kannst du trotzdem nochmal für viele denen es genauso geht wie mir kurz und knapp erklären welche Gruppierungen in Religion es im Land gibt und warum die Hezbola vielleicht auch ne Sonderrolle hat die wir gar nicht so durchdringen können in Deutschland.
00:13:23: Man muss erst mal verstehen, wie der Liban überhaupt aufgebaut ist.
00:13:27: Das Land ist religiös wahnsinnig vielfältig!
00:13:31: achtzehn offiziell anerkannte Religionsgemeinschaften.
00:13:34: Unter anderem, das wissen natürlich viele es gibt sunnitische und schiitische Muslime, es gibt verschiedene christliche Gemeinschafte Es gibt Drusen.
00:13:42: Das hat vielleicht auch der ein oder andere schon mal gehört Und das ist auch politisch verankert.
00:13:46: Der Präsident zum Beispiel ist immer traditionell Ein maronitischer Christ und der Ministerpräsident Ist immer ein Sunnis und der Parlamentspräsident ist immer ein Schied.
00:13:56: So wird es dort im Land geregelt.
00:13:58: Und du hast die Hezbollah angesprochen, die ist eben nicht nur im Libanon eine bewaffnete Organisation.
00:14:05: Sie ist gleichzeitig eine politische Partei und auch mit Abgeordneten im libanesischen Parlament vertreten.
00:14:12: Also wenn ich das schon manchmal in Gesprächen hier in Deutschland erzähle, dann sagen die Leute so Hä?
00:14:16: Weil dass vielen gar nicht bewusst ist, sie sich nicht wirklich mehr damit beschäftigen was man ja auch total verstehen kann.
00:14:23: Mir ja auch nicht!
00:14:24: Ja genau Und vor allem ist die Hisbollah in schiitisch geprägten Regionen und das ist zum einen eben der Süden, aber auch Teile vom Osten des Landes oder eben auch Südbeirut.
00:14:37: Die sogenannte Dachje.
00:14:38: dort verfügt sie über ein... große soziales Netzwerk und sie betreibt oder unterstützt dort auch beispielsweise soziale Einrichtungen und ist für einen Teil dieser Bevölkerung eben tief im Alltag verankert.
00:14:51: Und gleichzeitig verfügt sie über einem bewaffneten Arm, wie du schon gesagt hast Deutschland stuft die Hispola als Gesamtorganisation, als Terrororganisation ein.
00:15:05: Aktivitäten im Jahr, zwanzig-zwanzig auch gänzlich verboten.
00:15:08: Die Europäische Union zum Beispiel nur mal für den Hinterkopf das man auch versteht dass es da verschiedene Sichtweisen gibt die sagt Es gibt einen Unterschied zwischen dem politischen und der militärischen Teil der Hezbollah Und führt zb nur den militärischem Teil auf der Terrorliste.
00:15:26: Ja und dann wie du gesagt hast fährst du da zum beispiel in Südlibanon oder Du siehst überall diese Flakken der HeZbollah und dann ja triffst aber Menschen deren politisches und auch gesellschaftliches Leben, also die Hisbollern völlig normaler Teil ist.
00:15:42: Auf der anderen Seite gibt es Libanesen, die sie komplett ablehnen und genau daran merkt man auch schon wie kompliziert diese Rolle innerhalb dieses Landes und der gesamten libanesischen Gesellschaft ist Und deshalb will ich an dieser Stelle auch gar nicht versuchen das in drei Minuten komplett zu erklären.
00:15:58: aber schon mal ein kleiner Hinweis für euch In der nächsten Folge Wollen wir uns damit noch mal viel genauer beschäftigen mit der Hezbollah, aber auch damit wie wir hier in Deutschland über sie und vor allem den Libanon berichten?
00:16:11: Da freuen wir uns glaube ich alle darauf da nochmal mehr Einblick zu bekommen.
00:16:15: Danke auf jeden Fall für den Abriss!
00:16:17: Das heißt aber man kann schon sagen Sie haben einfach eine starke Stellung im Süden die Hezbola.
00:16:22: Das heißt es hat Auswirkungen darauf wie wir zum Beispiel als Journalistinnen in dem Teil des Landes arbeiten bzw.
00:16:30: überhaupt arbeiten können, wo wir filmen können.
00:16:33: Und vielleicht müssen wir deshalb einmal ganz kurz erklären wie man auch so eine Reise organisiert und wen braucht man eigentlich vor Ort?
00:16:40: Wie läuft das ab wenn man an bestimmten Orten drehen muss?
00:16:42: mit wem spricht man?
00:16:43: Vielleicht magst du da auch noch mal einen Einblick geben.
00:16:45: also
00:16:45: du setzt sich jetzt natürlich nicht im morgens alleine in Begut ins Out und sagt ich fahr jetzt mal hier Richtung Grenze und ich schau mal spontan bin Ich treffe.
00:16:53: so funktioniert es nicht.
00:16:54: für solche Recherchen brauchst Du Menschen vor Ort und du brauchst ein gutes Netzwerk.
00:16:59: Ich habe das Glück, dass ich schon wie gesagt lang in dem Land unterwegs bin und man arbeitet dort mit sogenannten Stringern oder Fixer nennt man das im Journalismus.
00:17:07: Das sind Leute aus der Region die kennen sich aus, sie stellen Kontakte her, die organisieren Termine, die übersetzen Auch gut einschätzen, wo man sich gerade bewegt und auch wie gefährlich es ist.
00:17:19: Mir ist es wichtig zu sagen wir westlichen Journalisten kommen ja oft am Ende mit diesen Geschichten nach Hause und bekommen dafür die ganze Aufmerksamkeit und auch den Fame und Anerkennung von den Leuten.
00:17:30: Aber auch wir beide Steffi, wir könnten diese Geschichten vor Ort niemals machen können.
00:17:35: Diese Reise ohne die Leute vor Ort teilen Kontakte ihr Wissen und die gehen ja selber auch ein totales Risiko ein um uns bei der Arbeit zu unterstützen.
00:17:43: Und ich finde das wird zu selten sichtbar gemacht.
00:17:47: Und ja, im Süden kommt dann natürlich wie schon gesagt die Hispola dazu.
00:17:52: Es ist natürlich so dass du für bestimmte Gebiete und Drehs auch deren Genehmigungen brauchst.
00:17:57: Es gab bei uns einzelne Situationen wo ein Vertreter der Hezbollah dabei war.
00:18:03: Das heißt jetzt nicht, dass da jemand neben dir steht und deine Interviews diktiert.
00:18:07: Und ganz genau guckt was du sagst und was du machst.
00:18:10: aber
00:18:11: natürlich müssen wir als Journalisten auch das transparent machen und auch mitdenken unter welchen Bedingungen man dort arbeitet und wie eben dieser Zugang zustande kommt zu dem was wir machen konnten.
00:18:23: ja und gleichzeitig so habe ich das empfunden haben mir viele Gespräche geführt in denen die Menschen offen mit uns gesprochen haben.
00:18:30: Deswegen würde ich sagen, wäre eigentlich beides falsch.
00:18:33: Man kann nicht so tun also würde man sich da völlig unabhängig bewegen von diesen Strukturen.
00:18:38: und genauso falsch wäre es jetzt zu sagen dass wir nur Menschen getroffen haben die der Hezboller zuzuordnen sind oder wo die nicht freisprechen konnten.
00:18:48: Der Stringer war im Austausch mit den Menschen weil sie natürlich ein sehr akkulisches Auge darauf haben was in der Region passiert gerade weil ja Süden eben diese Kampfhandlungen stattfinden und das hast du ja auch schon erwähnt, dass da halt auch viel Zerstörung ist.
00:19:03: Ich fand es signifikant wie stark man gemerkt hat, dass man jetzt im Süden des Landes ist und nicht mehr in der Hauptstadt.
00:19:09: bei mir ist immer noch eine Faszination die jetzt noch nicht so häufig wie Du in Krisengebieten warst Wie schnell man sich an diesen Anblick gewöhnt.
00:19:16: also Man isst dann da irgendwie einen halben Tag Und dann fühlt sich das schon fast irgendwie normal an.
00:19:22: oder wie siehst du denn das?
00:19:23: Also es ist bei dir auch noch was was dich schockiert.
00:19:26: Haben dich die vielen Krisen und Kriegsgebiete da schon etwas gefestigt, was diese Anblicke angeht?
00:19:32: Ich würde sagen zum Glück haben mich sie nicht gefestigt.
00:19:36: niemals in egal wo auf der welt inmitten von zerstörungen stehen wollen.
00:19:41: und zerstörung ist ja wie gesagt das sind nicht nur die bilder die bei den news laufen von zertörten häusern.
00:19:45: Das sind häuser von menschen das sind zerstöerte leben.
00:19:48: Manchmal stehst du vor so einem haus oder im wohnkomplex des erstördes unter.
00:19:52: drunter liegen noch leichen Du siehst ein buch von dem kind dass noch rum legt du siehst Kleidung.
00:19:58: also das ist Ja da war leben von Menschen, die wir hätten sein können.
00:20:02: Und in keiner welt will ich mich an sowas gewöhnen, aber ich verstehe was du meinst insofern dass man... Ich glaube das ist auch eine Art Selbstschutz.
00:20:13: Dass man es irgendwann so ausblendet und es dann eben nur noch Art Zerstörung zerstörungen wahrnimmt und sich da gar nicht mehr rein denkt, was das eigentlich bedeutet?
00:20:21: Was wir da sehen.
00:20:22: weil wenn man sich das Dauern vergegenwärtigen würde, glaube ich würde man verrückt werden, würde man die ganze Zeit weinen und könnte wahrscheinlich auch die Arbeit vor Ort gar nicht machen.
00:20:32: Ich finde auch, dass es irgendwann ein Zustand des Funktionierens ist weil natürlich das Leid, was so eine Rakete verursacht am Ende nur in entrümmern und zerbrochenen Scheinen und Wänden irgendwie da ist.
00:20:45: Aber ich glaube als Mensch nimmt man es trotzdem irgendwo wahr, dass das ein Leben ist, was jetzt nicht mehr ist oder dass da ne Heimat war die jetzt noch nicht mehr isst.
00:20:53: Das ist ja auch etwas wo wir gesprochen haben als wir uns entschieden haben in die Nabati zu fahren.
00:20:59: Das ist ja eine der südlichsten Regionen des Libanons, die zusammen mit der Regionsuhe, die liegen nebeneinander.
00:21:05: Die teilen sich eine Grenze mit Israel und die Namathie ist mit am schlimmsten betroffen von Konflikt- und Zerstörung.
00:21:12: Und wir waren auch ganz speziell in der Stadt Nabathie.
00:21:15: Die ist einer der Bedeutungsstädte im Süden.
00:21:17: Sie ist nicht unbedingt die größte aber sie ist vor allem bekannt für den großen Montagsmarkt und den Handel, der für hunderte und tausende Leute jede Woche stattfindet und für diese extra, für denen sie extra in die Stadt kommen Und vielleicht sollte ich tatsächlich eher sagen kamen, auch wenn das etwas Makaba klingt.
00:21:33: Weil wir sind eigentlich genau zu diesem Marktplatz gefahren.
00:21:35: und ja Sophia, vielleicht möchtest du in deinen Worten einmal beschreiben wie was wir da vorgefunden haben?
00:21:42: Wie ist der aussah?
00:21:43: Ich glaube es gibt eigentlich gar kein passendes Wort dafür.
00:21:46: Aber ich erinnere mich dass einer der Männer also auch ein Anwohner der dort lebt zu uns gesagt hat Schau mal!
00:21:52: Das ist wie Hiroshima und natürlich ein heftiger Vergleich Aber es lag einfach alles in Trümmern.
00:22:01: Du standst auf einer riesigen, grauen Trümmerlandschaft!
00:22:06: Alle Gebäude waren eingestürzt und die ganzen Geschäfte auf diesem Marktplatz liegen... Unterschut und betonen, wie es dort genau aussieht.
00:22:14: Das könnt ihr auch auf unseren Kanälen euch anschauen.
00:22:16: Wir sprechen nicht nur darüber wir haben auch das alles als Videomaterial oder Bewegbildmaterial mitgebracht dass man so ein Gefühl dafür kriegt weil ich glaube egal wie ich das jetzt beschreibe welche Worte ich das packe man muss das mit eigenen Augen sehen um zu verstehen wie wahnsinnig das ist und Man muss sich glaub ich auch klar machen bei sowas und es ist ja genau das in den News Bilder Newsbilder sehen wir immer nur ja so ein zerstörter Marktplatz.
00:22:41: ok und dann kommt das nächste.
00:22:42: Das nächste Video ist auch schnell wieder vergessen.
00:22:46: ich glaube man schafft gar nicht mehr sich die Zeit zu nehmen um zu verstehen dass es ein ganz normaler Marktplatz war, einer wie es auch in eurer Stadt sein könnte.
00:22:56: Wo die Menschen morgens die Läden aufgemacht haben und man einkauft, man trifft sich, man drifft den Nachbarn, man quatscht ein bisschen... Man kauft irgendwie was fürs Mittagessen für das Abendessen für die Familie und jetzt läufst du auf den Überresten dieser Geschäfte!
00:23:10: Und ein Mann ist ein Ladenbesitzer dessen kleiner Shop durch die israelischen Angriffe weitgehend zerstört wurde.
00:23:17: und ja wir konnten ein bisschen mit ihm sprechen.
00:23:21: Natürlich bin ich traurig, aber Gott sei Dank sind wir noch am Leben.
00:23:25: Das ist ein Segen!
00:23:26: Wir können noch immer tun was wir wollen.
00:23:29: Wir bauen Gebäude mit unserer Kraft und Entschiedenheit Und Gott sei dank haben wir genau das in uns.
00:23:37: Die Saladen wurde schon einmal zerstört Aber wir sind zurückgekehrt und haben ihn wieder aufgebaut sogar besser als vorher Und in der Zukunft,
00:23:47: so Gott es will
00:23:48: wird auch diese Straße wieder besser aufgebaut werden mit unserer Entschlossenheit und der Kraft der jungen Leute.
00:23:53: Genau das fand ich an ihm so interessant!
00:23:55: Ich finde da könnte man im ersten Blick schnell eine Heldengeschichte daraus machen von diesen unglaublich starken Menschen die sich einfach nicht unterkriegen lassen und das ist wahrscheinlich auch Teil der Wahrheit.
00:24:07: Aber für mich hat sich dem Gespräch nicht nur nach dieser Heldengeschichte angefühlt, weil der Mann war eigentlich total nüchtern.
00:24:14: Er so im Sinne von was soll man denn sonst machen?
00:24:17: Das ist hier mein Laden das ist mein Leben das ist meine Stadt.
00:24:20: ich muss ja irgendwie weitermachen und ich glaube dass es ein wichtiger Unterschied.
00:24:24: Absolut!
00:24:25: Es ist eine Nüchternei auch am Ende ein Pragmatismus bei.
00:24:28: Was ist die Alternative?
00:24:30: viele haben ja auch einfach keinen anderen Ort an den sie können.
00:24:34: Wir haben ja so häufig den Satz gehört von den Leuten, wir machen weiter.
00:24:38: Und du hast mir auch vor unserer Reise schon erzählt, dass die Libanesen ein sehr starkes Volk sind und sich so sehr stark wahrnehmen, dass sie widerstandsfähig sind und es scheint ja etwas, worauf Sie sehr stolz sind?
00:24:51: Total!
00:24:52: Das ist nicht nur was das wir von außen beobachtet haben.
00:24:56: diese Menschen haben selbst immer wieder gesagt, hey wir haben schon so viel überstanden.
00:25:02: Wir stehen immer noch hier und machen weiter oder steckt schon würde ich sagen sehr viel stolz drin.
00:25:07: Glaubst
00:25:07: du dass wir manchmal diese Widerstandskraft dir ja auch gerade ein bisschen in einer Heldenrhetorik erwähnt hast?
00:25:14: Dass wir die manchmal den Deutschen vielleicht auch zu sehr verklären weil wir eben genau das sagen Ja sie sind ja stark!
00:25:20: Die halten durch, die machen weiter.
00:25:22: wie toll Aber wir verkennen oder wir blenden damit ein bisschen aus, dass sie halt müssen weil immer wieder zerstört wird.
00:25:30: Definitiv Steffi und ehrlicherweise ertappe ich mich selbst auch immer wieder dabei!
00:25:34: Weil es natürlich mega beeindruckend ist.
00:25:36: also du siehst da irgendwelche Menschen zwischen Trümmern und anstatt dass die da sitzen und weinen räumen Sie auf?
00:25:42: Oder einen Krankenhausbild getroffen und die Leute dort machen weiter?
00:25:46: Natürlich denken sie erstmal okay krass Wahnsinn was haben die bitte für eine Kraft?
00:25:49: aber ich glaube das man Wenn man diese Menschen nur so label, guck mal wie widerstandsfähig oder wie resilient die sind.
00:25:57: Wir uns auch ein bisschen zu einfach machen weil es halt nur positiv klingt.
00:26:00: ich glaube dass dahinter auch einfach eine super Krasse Erschöpfung steht und Manche menschen nach mir hausen immer und immer wieder neu aufbauen müssen und Ich glaube das man von außen diese Widerstandskraft super leicht feiern kann gerade wie in deutschland sucht Mal wie toll und mutig und stark diesen.
00:26:18: aber eigentlich müsste man doch sagen, hey nee es ist furchtbar dass diese mensch überhaupt immer wieder so stark sein müssen und das sie zum zweiten oder dritten mal ihr zu hause aufbauen müssen und wieder von vorne anfangen müssen und weitermachen müssen.
00:26:33: Deshalb finde ich beides wichtig also um einen diese Stärke anzuerkennen und ernst zu nehmen und zu respektieren aber sie gleichzeitig eben nicht zu romantisieren und... Ich glaube der Libanon ist eben nicht nur ein Wahnsinnig Widerstandsfähiges Land sondern eben auch ein wahnsinnig erschöpftes land.
00:26:52: Ja der Marktplatz hat mich dahingehend auch einfach wahnsinnigt bedrückt und für mich ist Marktplatz, auch aus der Kleinstadt aus der ich komme es ist halt immer nicht nur der Ort da begegnet.
00:27:01: das ist so ein bisschen das Herz der Stadt.
00:27:03: darum dreht sich das.
00:27:03: wir haben Städte so gebaut dass das quasi den Mittelpunkt unseres unserer Gesellschaft und unseres Seins isst Und es zeigt halt, wie schnell dieses alltägliche, die genommen werden kann.
00:27:14: Wie schnell zerstört werden kann.
00:27:16: und das Gefühl hatte ich noch in einem anderen Ort und hat mich fast noch mehr bedrückt einfach... weil es für mich ein Ort ist, der so viel mit Ruhe und Frieden zu tun hat.
00:27:30: Und das war der Friedhof den wir uns angeschaut haben.
00:27:33: Dieser
00:27:33: Friedhof war auch nur paar Autominuten von dem Marklas entfernt und wir sind da hingefahren, weil er eben von einem israelischen Luftangriff getroffen wurde.
00:27:43: Ich glaube, wir hatten beide keine richtige Forschung davon was das konkret bedeutet.
00:27:48: Für mich war das auch das erste Mal dass ich sowas gesehen habe obwohl ich schon viel unterwegs war Stehst dann dort und siehst diese zerstörten Gräber zerbrochene Grabsteine.
00:27:58: Und es liegt da alles in Trümmern, dazwischen gab's teilweise noch die Fotos der Menschen, die dort begraben sind.
00:28:07: Es war eben nicht nur ein... Also das wär schon schlimm genug, bisschen Schaden am Rand irgendwo, sondern man läuft wirklich durch diesen Friedhof und sieht das überall!
00:28:17: Neben diesem Friedhof liegt eine Moschee und die wurde auch getroffen.
00:28:20: Und ich habe noch mal nachgeguckt, Israel hat die Angriffe auf Nabatier an diesen Tag das Angriffes eben damit begründet gegen die Infrastruktur der Hisbollah vorzugehen dass wir da ganz oft dann als Grund ins Feld geführt.
00:28:32: aber Ich habe bisher keine konkrete Erklärung dafür gefunden welches militärische Zielsicht aus israelischer Sicht Ausgerechnet auf diesem friedhof befunden haben soll.
00:28:42: und wenn man von Grenzen spricht von roten dienen spricht Dann ist es genauer dass das eben selbst ein Friedhof, die Kräber von Menschen wie du sagst der Ort wo die Menschen ihre letzte Ruhe finden sollen.
00:28:54: Von dieser Zerstörung nicht verschont bleiben.
00:28:56: Ich
00:28:56: fand es auch einen wahnsinnig frecklichen Anblick und es mag Maricaba klingen aber nach all der Angst und den Anstrengungen die so viele Menschen erlebt haben müsste man ja eigentlich meinen dass zumindest die Totenfrieden gefunden haben sollten das da der Konflikt endet das da die Linie gezogen wird und Grenzen sind.
00:29:16: Und was glaubst du, macht das emotional mit Menschen, wenn selbst dieser Ort nicht mehr heilig ist?
00:29:24: Und die Gräber der Liebsten nicht sicher
00:29:25: sind?".
00:29:26: Ich muss ehrlicherweise direkt wieder an Rania denken, die Frau Speiro, die wir getroffen haben und die uns gesagt hat, dass sie keine Tränen mehr hat.
00:29:32: Sie hat auch erzählt, dass bei diesen Angriffen teilweise ganze Familien getötet werden.
00:29:38: Und sie hat auch gesagt, nach all diesem Schmerz und nach dem Leid ... eigentlich schwer vorstellen kann oder sich die Frage stellt, zumindest wie in den Herzen der Menschen jemals wieder Frieden entstehen soll.
00:29:52: Und als ich dann auf diesem Friedhof selber stand und diese zerstörten Gräber gesehen habe – teilweise hat man noch die Fotos der verstorbenen gesehen zwischen diesen Trümmern – musste ich an Rania denken.
00:30:04: und was sie gesagt hat….
00:30:06: Die Menschen haben ihre Angehörigen verloren im Krieg und dann wird noch der Ort zerstört, an dem sie begraben liegen kann menschlich nachvollziehen, wenn dann sehr viel Wut entsteht tatsächlich.
00:30:21: Das heißt natürlich nicht dass aufgrund dessen automatisch irgendeine politische Haltung folgen sollte aber ich glaube wenn wir über Frieden reden und über Versöhnung was wir hier im Westen gerne tun gehört das eben auch dazu.
00:30:32: Solche Menschen vergessen ja solche Erfahrungen einfach nicht und es ist egal ob ihr über Libanon sprechen oder Palästina.
00:30:40: Das hat eben nicht nur bedeuten, dass man irgendwann keine Bomben mehr wirft und keine Raketen mehr und keine Drohnen mehr fliegen.
00:30:46: Sondern Frieden kann nur bedeutend, dass er irgendwann in den Herzen der Menschen ankommt.
00:30:52: Und ich frage mich wie das angesichts solcher Erlebnisse funktionieren soll?
00:30:58: Dieser Ort war ja aus ganz vielen Gründen beklemmend.
00:31:01: Wir sprechen viel über Grenzen und über rote Linien.
00:31:04: Und wir kommen – und das ist eine sehr intime Privatsphäre.
00:31:08: so fühlt sich das für mich an Filmen diese zerstörten Gräber und manchmal hatte ich so das Gefühl, dass wir damit auch eine Linie überschreiten.
00:31:16: Wie ging es dir damit?
00:31:18: Wie entscheidest du persönlich was man filmt und was nicht?
00:31:21: Ich
00:31:21: glaube ist auf jeden Fall ein zweischneidiger Schwert.
00:31:23: Ich habe das auch als unangenehm empfunden.
00:31:25: Gleichzeitig ist es ja mein Job genau das zu dokumentieren also Angriffe zu dokumentiert mögliche Kriegsverbrechen zu dokumentieren.
00:31:35: Wir hören ja ständig solche Meldungen, dass bei einem Angriff ein Friedhof getroffen wurde oder so viele Gebäude zerstört wurden oder so und so viele Menschen getötet wurden.
00:31:45: Und irgendwann lösen diese Zahlen und Fakten und Meldung und Schlagzeilen kaum noch irgendwas aus.
00:31:51: aber wenn man diesen Friedhof mit eigenen Augen sieht dann wird das auf einmal ganz konkret worüber wir hier eigentlich reden.
00:31:59: Und trotzdem gilt für mich, nur weil ich etwas theoretisch filmen kann heißt es nicht dass ich's immer tun muss oder auch zeigen muss.
00:32:07: Also man sollte sich immer genau überlegen wieso mache ich das jetzt?
00:32:11: will ich hier einfach nur schockieren?
00:32:12: Oder gehts wirklich darum aufzuklären und inwieweit kann ich vor allem die Würde der Menschen alle Stellen?
00:32:22: bedeutet, die Würde des Menschen muss immer oberste Prämisse sein und nicht irgendein krasses Video zu drehen oder ein krasses Foto machen.
00:32:30: Und das ist ja einer der vielen Gründe, warum wir genau dieses Projekt in dieser Art und Weise machen weil wir eben Schlagzeilen wieder menschlich machen wollen, weil es so häufig passiert im ganzen Nachrichtenfluss den wir haben dass wir vergessen, dass hinter diesen Schlagzahlen halt einfach Menschen stehen vor allem Menschen leben Schicksale erleiden müssen und im schlimmsten Fall ihr Leben halt verlieren.
00:32:55: Und ja, dieser Friedhof finde ich hat das nie auch die sich viel damit beschäftigt nochmal bewusst gemacht und Ich kann nur hoffen dass vielleicht anderen Menschen den podcast sehen oder hören Vielleicht genauso geht dass sie plötzlich begreifen was es eigentlich bedeutet Wenn eine rakete nahe oder in einen friedhof einschlägt
00:33:14: und diese friedhof ist Ja auch nur ein beispiel von vielen dass es eben so viel mehr geht.
00:33:18: also unterstörte häuser.
00:33:20: Eine Freundin von mir aus dem Libanon hat vor kurzem zu mir gesagt, Sophia es geht eigentlich am wenigsten um die zerstörten Häuser.
00:33:28: Es geht um die Gerüche und Erinnerungen.
00:33:31: Es ist eine bestimmte Straße in der die Moschee-Standung, wo wir immer als Kinder gespielt haben.
00:33:38: Es wird unsere Olivenbäume zerstört werden.
00:33:42: Das Gefühl von Nachbarschaft.
00:33:44: Es geht um ganz besondere Rituale, die wir in unseren Dörfern gelebt haben und all das wurde uns genommen, indem einfach Teile des Südens dem Erdboden gleich gemacht werden.
00:33:54: Sie hat gesagt es geht um so viel mehr als Häuser weil die kann man wieder aufbauen und alles andere nicht und eigentlich ist es ja total banal.
00:34:02: natürlich zerstört ein Krieg nicht nur Häuser und vor der Menschenleben sondern ein Kriegt zerstören eben ganz viel von dem was einen Menschen lieber ausmacht.
00:34:08: Ich glaube, dass wir das hier sehr schnell ausblenden.
00:34:12: Und manchmal weil wir alle auch überfordert sind von all diesen Nachrichten, von all diesem Wahnsinn da auf der Welt passiert.
00:34:37: Auf der Podcast-App Campfirefm könnt ihr außerdem direkt mit uns ins Gespräch kommen und teil unserer Community werden.
00:34:49: Wenn Ihr also ganz nah dabei sein wollt, schaut einfach in unsere Shownotes oder sucht auf der Plattform Eurer Wahl nach Sophia Maier Punkt Spotlights und folgt uns um nichts zu verpassen!
00:35:00: Wir freuen uns über Ihre Unterstützung – Ganz egal wie die aussieht.
00:35:04: Und jetzt zurück in den Libanon.
00:35:26: was häufig auch unerwähnt und etwas unsichtbar bleibt sind die Menschen, die inmitten dieser Angriffe versuchen andere zu retten.
00:35:34: Dazu zählen Sanitäter Feuerwehrleute und auch freiwillige Helfer.
00:35:39: Und die riskieren ja auch ihr eigenes Leben jeden Tag um andere eben zu retteten.
00:35:44: Wir waren in Sur und da haben wir Mohammed Süleyman getroffen.
00:35:48: Er arbeitet selbst im Freiwilligen Rettungsdienst und bei ihm und seiner Geschichte musste ich persönlich sehr schlucken, denn er hat seinen fünfzehnjährigen Sohn Jude bei einem israelischen Angriff verloren.
00:36:04: Ja, er hat uns erzählt dass Jude sein sohn offenbar
00:36:07: schon
00:36:08: als kleines Kind total begeistert war von dem was der Papa macht.
00:36:11: Mohammed hat uns auch erzählt das er schon mit sechs Jahren also sein Sohn zum Rettungsdienst gekommen ist weil er unbedingt später wieder Papa auch mal Helfer sein wollte.
00:36:21: und genau das ist dann passiert.
00:36:23: Er wurde freiwilliger Helfer und war dann auch schon als kleiner Junge dabei, aber auch jetzt eben im Alter von ja ungefähr fünfzehn Jahren.
00:36:33: Und am vierundzwanzigsten März dieses Jahres also erst vor ein paar Monaten war Jude gemeinsam mit seinen Kollegen Ali auf einem Motorrad das Rettungsdienstes unterwegs und sie wollten Essen für die Menschen vorbereiten und verteilen, die trotz dieses Krieges dort geblieben sind in der Nabattie oder auch in Teilen vertrieben wurden.
00:36:56: Und während dieser Fahrt wurden die beiden also der fünfzehnjährige Jud sein Kollege und noch ein weiterer Kollege bei einem israelischen Drohnenangriff getötet.
00:37:07: Und Mohammed hat uns erzählt wie er überhaupt erfahren hat das sein eigenes Sohn zu den Getöteten gehört?
00:37:16: Wir haben gerade einen Beitrag fürs französische Fernsehen gedreht, als ein direkter Angriff von Stuttgart.
00:37:22: Wir haben ihn vor uns sehen können.
00:37:25: Ich habe mich dann bei den Jungs, die den Angegriffenen zur Hilfe Alten vergewissert – die Leute, die angegriffen wurden, waren Rettungssanitäter und darunter mein
00:37:33: Sohn.".
00:37:35: Der israelische Feind macht keinen Unterschied zwischen jung und alt.
00:37:40: Beide trugen Sanitäter Westen und Helme, auch ihr Motorrad war klar gekennzeichnet mit dem Zeichen des Rettungsdienstes.
00:37:50: Also er hat auf mich unglaublich traurig gewirkt aber irgendwie gleichzeitig auch sehr gefasst.
00:37:55: Er hatte so eine ganz ruhige gütige Art wie ein leichtes Lächeln beim Sprechen sehr angemerkt, wie sehr er in der Tote eines Sohnes mitnimmt.
00:38:07: Und an irgendeiner Stelle des Gesprächs hat er mir dann auf dem Handy Fotos von Jude gezeigt also aus der Zeit, als sein Sohn noch gelebt hat und hatte dann plötzlich Tränen in den Augen und ich weiß noch dass mich das ja sehr berührt hat weil er bis dahin so ruhig war im Erzählen und dieser Moment dann diese Fotos gemeinsam angeschaut haben man gemerkt hat dass ihnen das eigentlich bricht.
00:38:32: Also ich meine, was bedeutet das?
00:38:33: Man kann sich das gar nicht vorstellen!
00:38:35: Du hast ein Sohn der eifert dir nach, in dem wer du bist, was du tust ist stolz auf den Papa.
00:38:41: und der Papa ist stolze auf den Sohn, dass sie das gemeinsam machen.
00:38:44: und dann stirbt er so genau bei sowas indem er eben anderes Leben retten will und helfen will.
00:38:48: und der Muhammad also der Papa hat auch mit so viel Stolz über seinen Sohn gesprochen, dass er eben schon als ganz kleiner Junge damit angefangen hat.
00:38:59: Ja, ich hatte schon das Gefühl, dass da ein Vater sitzt der gebrochen ist und eben gleichzeitig auch diesen krassen Stolz in sich fühlt.
00:39:07: Und was mich an dieser Geschichte wirklich nicht loslässt, ist, dass er auch nach dem Tod seiner Zone mit der Arbeit nicht aufgehört hat im Gegenteil.
00:39:21: Jeder Mensch hat eine Mission im Leben.
00:39:24: unsere ist es Menschen zu helfen.
00:39:27: mein Sohn Joud ist mit diesem Glauben aufgewachsen.
00:39:37: Für diese Mission haben wir einen sehr hohen Preis bezahlt, für dieses Jahr mit Blut besiegelt.
00:39:46: Wir können nicht einfach aufhören bei dem, was für Schutz Aliyah und Mady ihr Leben gegeben hat.
00:39:53: Nein, der Blut gibt uns noch mehr an, diese Mission in die wir glauben vorzuführen und weiter zu
00:39:59: machen.".
00:40:02: Ich kriege gerade bei diesem Satz ernst ein bisschen Tränen in den Augen weil er eben Nichts sagt, ich mache trotz einem weiter.
00:40:09: Sondern für ihn ist das was passiert ist offenbar ein noch mehr Grund weiter zu machen.
00:40:13: und Also ich weiß nicht wie es dir geht Steffi aber für mich ist es unverstellbar Wenn ich so einen Verlust erleiden würde Ich würde mich wahrscheinlich erst mal monatelang verkraben.
00:40:25: Und er Er rettet weiter leben und riskiert jeden tag sein Leben.
00:40:30: Aber er hat offenbar einen Weg gefunden mit diesem verlust weiterzuleben und dass hat Ich glaube, es ist ganz viel mit dieser gemeinsamen Mission zu tun, die ihn und seinen Sohn verbunden hat.
00:40:41: Nämlich anderen Menschen zu helfen und andere Menschen zu
00:40:44: retten.".
00:40:54: Konsequenz dessen was sie tun also sind sich dieses risiko ist immer bewusst gewesen dass das passieren kann.
00:41:00: woran ich aber auch direkt denken muss es halt, dass gerade so menschen wie Mohammed die nach einem angriff losfahren.
00:41:07: Und verwundete zu helfen die sind sowieso in meinem risiko ausgesetzt.
00:41:11: dann gibt es noch eine zusätzliche gefahr und darüber haben wir bald auch häufig gesprochen und zwar diese double tap angriffe von dem man auch immer wieder liest für alle die das kein begriff ist was genau bedeutet das zu vier?
00:41:24: Auf Deutsch bedeutet Double-Tap ja erstmal so was wie Doppelschlag, also vereinfacht gesagt.
00:41:29: Ein Ort wird einmal angegriffen dann kommen ja logischerweise Rettungskräfte Feuerwehrleute oder auch andere freiwillige Helfer um eben diese Verletzten zu versorgen oder Menschen aus dem Drümmern zu holen und dann wird es an der zweiten Schlag derselbe Ort in unmittelbarer Umgebung nochmal angegriffene.
00:41:48: das ist für solche Helfer natürlich wahnsinnig gefährlich denn die müssen Natürlich nach einem Angriff so schnell wie möglich dahin, wenn dort Menschen verbluten oder drüben liegen.
00:41:59: Da kann man ja nicht abwarten und sagen okay jetzt gucken wir mal ob noch ein zweiter Angriff kommt und deswegen ist diese Double Tap Strategie auch so unglaublich perfide.
00:42:07: Genau über dieses Gefahr und dieser Art des Angriffs haben wir auch in Sue mit Ali Safedini gesprochen.
00:42:14: er arbeitet seit Jahrzehnten beim libanesischen Zivilschutz und fährt eben genau dahin kurz zuvor Bomfen eingeschlagen sind um eben Menschen erst zu versorgen.
00:42:26: Ich bin ehrlicherweise einfach nur müde, ich brauche eigentlich eine Pause, aber mein ganzes Leben und von dem Moment an als ich dem Zivierschutz beigetreten bin war erfüllt mit Freude!
00:42:37: Dass es da draußen Kinder und Menschen in Not gibt, Menschen die mich an ihrer Seite brauchen.
00:42:49: Also sage ich nein!
00:42:50: Ich werde nicht gehen.
00:42:53: Ich will weiter humanitäre Hilfe essen.
00:42:55: Egal was es kostet.
00:42:58: Ich bin so müde mental emotional und körperlich aber ich werde bleiben.
00:43:04: Ja genau das fand ich auch bei unserem Gespräch mit Ali so krass weil wenn du einen Einschlag hörst ist dein... also wäre unser erster Instinkt logischerweise soweit wie möglich wegzurennen.
00:43:17: Aber sein Beruf, Alice-Beruf besteht seit Jahrzehnten darin eben genau in die andere Richtung zu fahren zu diesem Einschlag, zu dieser Gefahr obwohl ihr eben weiß dass er damit selbst sein sich selbst in Lebensgefahr bringen kann.
00:43:30: Wer ist denn Ali?
00:43:31: Genau wo haben wir den diesen Mann getroffen?
00:43:34: Und wer ist er?
00:43:36: Genau.
00:43:36: Wir haben, wie du schon gesagt hast, Ali ins Suhr getroffen direkt bei der Zentrale des libanesischen Zivilschutzes und Ali war schon im Krieg in dem Jahr zwei Tausend Sechs im Einsatz.
00:43:46: Er war nach der Explosion am Hafen von Beirut im Jahr zwanzig-zwanzig im Einsatz und hat damals noch Verschütteten gesucht und er war auch nach dem schweren Erdbeben dreiundzwanzzig in Syrien im Einsatz.
00:43:59: also dieser Mann hat wirklich unfassbar viel erlebt.
00:44:03: In den letzten Jahren hat er bei einem Angriff seine eigene Tochter verloren.
00:44:10: Die Tochter hieß Lin und war gerade einmal zwanzig Monate alt, Ali hat damals seine Frau und Lin in das Zivischutzzentrum mitgenommen weil er dachte dass sie dort bei ihm in Sicherheit sein würden.
00:44:24: und dann wurde damals der sechzehnte Juli zwei tausend sechs das Gebäude von israelisch Militär angegriffen, die Frau wurde verletzt und die kleine Linne wurde getötet.
00:44:37: Und er hat mir erzählt, dass er damals seine Tochter selbst aus den Trümmern geborgen hatte und sie noch ins Krankenhaus gebracht hat.
00:44:45: Und trotzdem ist er beim Zivilschutz geblieben bis heute und eben auch in diesem Krieg.
00:44:51: Er hat jetzt in diesem Krieg alleine schon wieder drei seiner Kollegen seines Teams verloren, die bei einem Einsatz getötete worden sind.
00:45:01: Gleichzeitig, das ist vielleicht den einen oder anderen überraschen war er wahnsinnig humorvoll.
00:45:05: Wir haben wirklich viel mit ihm gelacht und Das erlebe ich auch in Kriegsgebieten immer wieder.
00:45:11: Ich kenne es auch aus der Ukraine.
00:45:13: Da waren wir auch mal gemeinsam Steffi Und haben eine Drohne im Pilo wurde getroffen Natalia falls du dich erinnerst die dort an der Front ist und Mit der wer auch ganz viel Spaß hat.
00:45:21: man denkt so hey ist ja irgendwie komisch Man kann doch jetzt hier im krieg nicht Spaß haben und lachen.
00:45:26: Bei Ali ist das ganz ähnlich gewesen.
00:45:29: Ich glaube, dass Menschen die ständig wie er seit Jahrzehnten mit Gefahr, mit Tod und Leid konfrontiert sind wahnsinnig viel Humor vielleicht sogar haben müssen weil es eine Art ist um damit überhaupt weiterleben zu können.
00:45:43: Du kannst ja nicht in vierundzwanzig Stunden am Tag dir vergegenwärtigen, dass du in Lebensgefahr bist und Todesangst spüren.
00:45:50: Und bei Ali hatte ich schon das Gefühl, dass diese Arbeit einfach er ist, seine DNA ist und er macht es einfach weil er Menschenleben retten will.
00:46:00: Das ist sein Motor, sein Antrieb ja und warum er damit weitermacht?
00:46:05: Das hat er uns eigentlich selbst am besten
00:46:07: erklär'n.".
00:46:11: oder einen bestimmten Ort.
00:46:16: Er macht keinen Unterschied zwischen den Menschen und er unterscheidet auch nicht zwischen Zivilschutz und anderen, obwohl wir überall die Logos der Vereinten Nationen tragen.
00:46:29: Unsere Waffen sind die Rettungswelten.
00:46:32: Unsre Waffen ist die Feuerlöscher, die Brände eindämmen und unschuldige Menschen
00:46:40: retten.".
00:46:41: Ich meine, er sagt unsere Waffen sind nicht irgendwelche AKs und Maschinengewähre um Pistolen oder Panzer.
00:46:48: Und was auch immer!
00:46:49: Und Drohnen?
00:46:50: Unsere Waffe ist der Rettungswagen und Feuerlöscher.
00:46:53: Also ich glaube das verschreibt ziemlich gut wie Ali seine Arbeit und sich selbst sieht.
00:47:00: Und gleichzeitig sagt er auch hey wir sind als Helfer erkennbar und trotzdem erleben wir dass wir nicht geschützt sind und dass wir immer wieder angegriffen werden.
00:47:08: Das ist genau das, was uns ja auch Mohamed erzählt hat.
00:47:10: Sein Sohn war erkennbar gekennzeichnet als Team des Rettungssanitäterteams durch eine Weste.
00:47:15: Seine Motorrad hat die Embleme getragen und mit Alice ist nun der zweite Mensch, der uns genau das auch wieder erzählt.
00:47:23: Dass israelische Militär anscheinend keinen Unterschied macht, wen sie angreifen?
00:47:27: In beiden Fällen hat es First Responder also die Menschen getroffen, die als erstes an einen Anschlagsunfall Orten in Ordnung des Geschehens sind.
00:47:36: Wie ordnest du das ein?
00:47:37: Sind es jetzt Krass-Zufälle oder gibt es mehrere dieser Geschichten.
00:47:42: Seit Oktober, im Libanon sind sehr viele Menschen aus dem Gesundheitsbereich bei Angriffen getötet oder verletzt worden.
00:47:50: Ich habe mal ein paar Zahlen mitgebracht damit man diese Dimension ein bisschen besser versteht.
00:47:55: bis Juli, zwanzig fünfundzwanzig hat die WHO also die Weltgesundheitsorganisation Und seit der erneuten Eskalation im März dieses Jahres sind noch mal viele dazugekommen.
00:48:15: Allein in den ersten vier Wochen, das erneutene Auflammen des Krieges wurden, einundfünfzig Menschen aus dem Gesundheitsbereich werden ihre Arbeit getötet und hundertzwanzig verletzt.
00:48:27: Ich weiß es waren jetzt viele Zahlen Aber ich glaube, nur so kann man besser verstehen.
00:48:31: Das ist wirklich nicht nur der Fall von Ali und der Fall vom Mohammed.
00:48:35: Ich finde diese Zahlen bedrückend weil es ja die Menschen sind, die losfahren wenn ein Angriff passiert.
00:48:41: Und dann stehst du so einem Mohammed gegenüber und plötzlich geht das eben nicht mehr um diese abstrakten zweihundert-einundvierzig Toten sondern eben um den fünfzehnjährigen Jude seinen Sohn.
00:48:54: Das humanitäre Völkerrecht hatte eigentlich ganz klare Regeln.
00:48:57: Medizinisches Personal, Rettungskräfte, Krankenwagen und Krankenhäuser stehen unter besonderem Schutz Und Israel wirft der Hezbollah auch ähnlich wie im Gaza immer wieder vor, Krankenwagen oder medizinische Einrichtungen auch militärisch zu nutzen.
00:49:15: und wenn das tatsächlich der Fall ist Wäre kann dieser Schutz unter bestimmten Voraussetzungen verloren gehen, das muss man glaube ich einmal im Hinterkopf haben.
00:49:24: Ich habe noch mal nachgeguckt.
00:49:26: Human Rights Watch hat drei solche Angriffe ganz dezidiert untersucht und in diesen Fällen keine Hinweise darauf gefunden dass die betroffene medizinischen Einrichtungen oder Transporte zum Zeitpunkt Punkt des Angriffs, wie Israel behauptet, militärisch genutzt wurden.
00:49:44: Und die Organisation spricht deshalb auch von mutmaßlichen
00:49:47: Kriegsverbrechen.".
00:50:07: Schabala-Mehlkrankenhaus besucht.
00:50:10: Genau, und auch solche Krankenhäuser und medizinischen Einrichtungen stehen im Krieg unter besonderem Schutz.
00:50:15: Und das Schaballa-Mellkrankenhaus war bei einem israelischen Angriff schwer beschädigt worden.
00:50:22: Als wir dort waren, waren die Spuren davon noch überall zu sehen.
00:50:25: Schon bevor wir überhaupt in das Krankenhaus rein sind haben wir gesehen wie heftig dieser Angriff dort in der unmittelbaren Umgebung gewesen sein muss.
00:50:32: direkt davor Gibt es einen überdachten Parkplatz, der war praktisch völlig verwüstet und ausgebrannt.
00:50:38: Das Dach war teilweise eingestürzt und darunter lagen ausgebrannte Autos und zerquetschte Autos, Motorräder und überall Lagerndrümmer.
00:50:46: Und direkt daneben steht das Krankenhaus – und das war schon echt ein ziemlich krasser Anblick!
00:50:51: Dann gehst du Richtung Eingang und siehst die Schäden am Gebäude selbst.
00:50:54: Die Fenster sind herausgerissen, Teile der Fasade beschädigt große Krankenhausschild, hängt teilweise noch von der Wand und auch drinnen sind mehrere Bereiche massiv beschädigt.
00:51:07: Unter anderem die Intensivstationen und die Radiologie also zwei sehr wichtige Stationen gleichzeitig Und es war echt das Verrückte da, wurde schon wieder gearbeitet.
00:51:17: Wir haben unser Interview im Wartepereich gedreht der auch beschädigt war und hinter uns wurden gerade neue Fenste eingesetzt.
00:51:24: ein paar Meter weiter haben wir Handwerker gesehen und parallel wurden im Krankenhaus schon wieder Patienten behandelt.
00:51:30: Das fand ich wirklich eindrücklich.
00:51:32: du siehst überall dort welcher massive Angriff passiert ist und gleichzeitig muss ja der Krankenhausbetrieb irgendwie weiter laufen.
00:51:41: Ich fand's auch ein bizarres Bild, nicht weilig ist.
00:51:46: Nicht bewundern würde das die Menschen weiter machen aber einfach mit welcher Geschwindigkeit sie auch versuchen dieses Krankenhaus wieder funktionsfähig zu machen weil Sie wissen wie wichtig es ist.
00:51:55: jetzt klingt für uns wir haben das gerade so ganz lapidar gesagt dass Krankenhäuser im Krieg besonders geschützt sind.
00:52:02: warum sind sie denn besonders geschürzt und wie wird so ein Angriff der knapp neben dem Krankenhaus wo wir zwar passiert ist eingeordnet?
00:52:12: Genau, also Krankenhäuser haben im humanitären Völkerrecht diesen besonderen Schutz und das ist ja erstmal irgendwie ziemlich logisch.
00:52:18: Im Krieg müssen Verwundete und Kranke ja irgendwo behandelt werden können und deshalb dürfen Krankenhäusern grundsätzlich nicht angegriffen werden und auch bei einem Angriff wie hier in unmittelbarer Umgebung muss auf diese Schutzrücksicht genommen werden.
00:52:33: Ich habe mir diesen konkreten Angriff nochmal genauer angeschaut, am ersten Juni haben israelische Luftangriffe Gebäude und im Bereich unmittelbar am Jabal Amel Krankenhaus getroffen und das Krankenhaus selbst wurde dabei schwer bestätigt.
00:52:47: Es wurden vier Menschen getötet, einhundertundzwanzig verletzt und darunter waren auch neununddreißig Mitarbeiter des Krankenhauses.
00:52:54: Daran kann man sehen dass dieser Angriff einen wirklich krassen Impact auf das Krankenhaus hatte und auch Intensivstationen usw.
00:53:00: wurden beschädigt.
00:53:01: Ich habe ganz konkret mal nachgeschaut wie die Organisationen die dort arbeiten diesen Angriff einordnen.
00:53:07: Ärzte ohne Grenzen eine sehr angesehene Organisation unterstützt genau dieses Krankenhaus diesen Angriff auch ausdrücklich verurteilt und sie sagen eben auch, dass Jabal Amel Krankenhaus ist kein Einzelfall.
00:53:22: Ihre Teams würden im Libanon immer wieder Angriffe in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern erleben getroffene Krankenwagen oder eben auch Angriffs auf Eindrichtungen des Zivilschutzes.
00:53:33: also Erzehung der Grenzen untermauert das in ihren Statements.
00:53:40: Das ist natürlich ein riesiges Problem, weil es ja eben nicht nur bei diesen Schäden bleibt die wir dort gesehen haben.
00:53:45: Weil wenn so ein Krankenhaus beschädigt wird oder eben Rettungskräfte bei ihrer Arbeit selbst ums Leben füchten müssen hat das ja Folgen für alle Menschen, die auf diese Hilfe angewiesen sind und gerade im Krieg sind das ja besonders viele Menschen.
00:54:00: Vor Ort haben wir den Direktor des Krankenhauses getroffen und er hat uns sehr eindrücklich vom Tag des Angriffs erzählt.
00:54:10: Wir haben wie jeden Tag Patienten versorgt.
00:54:13: Plötzlich, ohne Warnung, kam der Einschlag – das war hart!
00:54:21: Der Rauch verteilte sich im Gebäude und wir konnten nichts mehr sehen.
00:54:25: Wir sind losgerannt und haben uns in den Schreien der Patienten orientiert um ihnen zu helfen.
00:54:39: Als alles vorbei war, waren wir sehr bedrückt.
00:54:42: Aber die Arbeit hat uns Kraft
00:54:58: gegeben.".
00:55:04: Und das sind immer wahnsinnig schreckliche Erlebnisse, die wir immer und immer wieder hören.
00:55:15: Wenn man auf die vergangenen Jahrzehnte schaut haben die Menschen ganz viel Schreckliches erlebt.
00:55:22: Vielleicht kannst du uns... Ich weiß es ist sehr komplexe Geschichte aber vielleicht kannst du einen kurzen Abriss geben was genau die Menschen dort eigentlich alles erlebt haben.
00:55:32: Total und ich denke, das muss man sich wirklich einmal ganz kurz vor Augen führen ohne jetzt eine lange geschichtliche Abhandlung zu machen.
00:55:38: Der Libaunon hat einen fünfzehn Jahre langen Bürgerkrieg erlebt der erst in einem Jahrhundert neunzig geändert hat.
00:55:45: Zwei Tausend Sechs kam dann schon der nächste große Krieg zwischen Israel und der Hezbollah bei dem gerade im Süden und in Teilen Beirut sehr, sehr viel Zerstörung passiert ist und viele Menschen getötet wurden.
00:55:57: In den Jahren im Hafen von Beirut, der ein oder andere Witz hier in diese wahnsinnigen Bilder erinnern, die um die Welt gingen als das Silo in die Luft ging und große Teile der Stadt verhüstet haben und auch da mehr als zwei Hundert Menschen getöttet wurden.
00:56:11: gleichzeitig steckt der Libanon wirklich seit Jahren in einer schweren Wirtschaft- und Finanzkrise viele Menschen einen großen Teil ihrer Ersparnisse verloren haben und jetzt wieder ein Krieg, wieder massive Zerstörungen vor allem eben Süden- und im südlichen Beirut.
00:56:26: Gegen Ende des Interviews hast du ihn gefragt ob er jemand seinen Posten verlassen würde und ob er aus dem Süden jemals fliehen würde.
00:56:34: Aber wir werden nicht gehen!
00:56:36: Wir gehen nur wenn Gott uns will Wenn wir sterben.
00:56:44: Niemand verlässt sein Land Besonders nicht, wenn es um die Menschen und die medizinische Versorgung geht.
00:56:49: Am Ende können die Steine wieder aufgebaut werden – aber unser Verlust sind die Seelen der Menschen, die nicht zurückgebracht werden können.
00:56:57: Nicht die Gebäude, die zerstört wurden.
00:56:59: Alle Kriege hindurch haben wir alles wiederauf gebaut.
00:57:02: Wenn alles zerstörrt wird, dann bauen wir wieder, um weitermachen zu können.
00:57:07: Aber die Seeln?
00:57:08: Die sind nichts zu ersetzen!
00:57:22: Was wir diesen Krankenhaus total beschäftigt hat, ist dass die Leute dort wissen, dass jederzeit wieder was passieren kann.
00:57:28: Und trotzdem arbeiten sie weiter und bleiben.
00:57:31: Es gab auch immer wieder Menschen, die trotz all diesem Leid hoffnungsvolle Perspektiven haben und mit Hoffnung in die Zukunft blicken.
00:57:42: Auch uns ist es ein großes Anliegen nicht nur über das Leid und die Gewalt auf der Welt zu berichten, auch über die schlimmen Dinge in unserem Land.
00:57:50: Sondern auch uns immer die Frage zu stellen wo ist da vielleicht ein Licht am Ende des Horizons?
00:57:57: Und was kann Hoffnung geben?
00:57:59: Genau!
00:58:00: Wie unterschiedlich die Antworten darauf sein können und oft ausfallen – das haben uns ziemlich gut drei Schwestern gezeigt nämlich Natja Jasmin und Amel.
00:58:09: Sie haben wir in der Dach hier getroffen.
00:58:11: Das ist im Süden Beiruts und ein Stadtteil, der vielleicht einigen bekannt ist weil er auch besonders häufig von israelischen Angriffen stark betroffen ist.
00:58:21: aber Sophia erzähl doch mal kurz wer sind denn diese drei Schwestern überhaupt?
00:58:24: Nadja, Jasmin und Amel sind drei Schwestern die lange in Deutschland gelebt habe und später eine Libanon gekommen sind und sie sprechen das haben alle drei Deutsch Und sie leben in der Dachche mit ihren Familien, mit ihren Freunden und einer tollen Nachbarschaft wie sie erzählt haben.
00:58:42: Sie haben natürlich auch in den vergangenen Jahren immer wieder Krieg erlebt, Angriffe erlebt und Natja hat uns zum Beispiel erzählt dass sie ihre Wohnung auch schon früher verlassen musste weil sie schwer beschädigt wurde.
00:58:55: also diese Frauen erleben diese Kontinuität von Unsicherheit und von Krieg Und bei den jüngsten Angriffen mussten sie wiederfliehen.
00:59:04: Amel ist mit ihren Kindern nachts, hat sie erzählt aus dem siebzehnten Stock nach unten gerannt.
00:59:10: der Aufzug war nicht mehr im Betrieb Nadja saß stundenlang im Stau und hat währenddessen die Bomben über sich gehört und Jasmin hat gesagt dass sie ja auch mit ihrer Tochter völlig panisch außer Wohnung gerannt ist als die Kampfjets über ihnen waren.
00:59:25: Wir haben eine ganze Weile mit den Schwestern zusammengesessen und überleben, den Krieg.
00:59:29: Und vor allem darüber gesprochen wie sie heute auf die Zukunft schauen.
00:59:35: Habt ihr Hoffnung dass es jemals Frieden gibt?
00:59:38: Ich habe ja sehr viele Hoffnungen auf Frieden weil ich glaube das jeder Mensch das Recht hat im Frieden zu leben.
00:59:47: wir sind alle Menschen.
00:59:50: Nicht wenn ich in Kopfduch an habe und ein anderer kein Kopfdurchan hat, dann müssen wir uns töten oder zusammenstreiten.
00:59:58: Ich meine man muss immer freundlich miteinander sein und man muss zusammenleben in Frieden.
01:00:05: Darum hab' ich auch diese Hoffnung eine große Hoffnung.
01:00:09: Nadja geantwortet hat um das zu uns gesagt.
01:00:11: aber ich wirklich gedacht krass wie optimistisch.
01:00:14: nach allem was sie erlebt hat sagt sie hey Klar, hab ich Hoffnung.
01:00:18: Wir sind alle Menschen und wir müssen miteinander leben
01:00:20: können.".
01:00:21: Also es fasst schon so eine heissame Perspektive und man wünscht sich schon irgendwie fast sowas zu hören weil man sich auch selber denkt wie soll es denn sonst weitergehen wenn nicht menschen genau wie Nadja so darauf blicken?
01:00:34: Und dann sitzt direkt daneben ihre Schwester Yasmin gleiche Familie viele gemeinsame Lebenserfahrungen derselbe Ort an dem sie leben.
01:00:44: Ja, ein paar Minuten später gibt sie auf dieselbe Frage was ihr Hoffnung macht eine Antwort die wahrscheinlich kaum weiter davon entfernt sein könnte.
01:00:55: Das Wort Hoffnung ist sehr schwer für mich weil wir so wie sind schon mit dem Krieg so unser Alltag geworden wieder ein normales Leben zu führen Weil wenn ich wieder an das Leben und wie die sagen, friedliches Leben, wieder denke, es gibt keinen Krieg
01:01:15: usw.,
01:01:16: dann habe ich Angst.
01:01:18: Wieder diese gleiche Angst bekommen!
01:01:20: So versuche ich es immer sagen okay wir ist es Krieg Wir sind für alles bereit.
01:01:29: Falls wir sterben möchte ich dass ich in meine ganze Familie sterbe damit keiner traurig wird nach den anderen.
01:01:37: Da muss ich wirklich erst mal schlucken, weil dieser Satz ist sehr ehrlich und gleichzeitig auch irgendwie brutal.
01:01:42: Weil sie sagt ja nicht, ich möchte sterben.
01:01:45: Sie sagt aber wenn es passiert dann möchte ich nicht dass einer von uns zurückbleibt um mit dem Verlust des anderen leben zu müssen.
01:01:52: Ja und im Gegensatz die ihrer Schwester fällt ihr Hoffnung schwer, weil sobald sie nur sich erlaubt ein bisschen Hoffnung zu haben das jemals wieder ein normales Leben könnte kommt direkt die Angst wieder zurück das was passieren könnte.
01:02:07: Ja und daneben eben ihre Schwester, die sagt hey ich habe große Hoffnung.
01:02:10: Und deswegen fand ich super wichtig dass wir diese beiden Perspektive zeigen weil es eben auf einem ganz kleinen Raum zeigt nämlich in dieser Schwestern schafft.
01:02:19: das sind zwei Menschen die ganz vieles miteinander erlebt haben und trotzdem ganz unterschiedliche Gefühle im Perspektiven haben.
01:02:26: Wir haben heute schon an ganz verschiedenen Stellen immer die Eigenwahrnehmung auch die Fremdwahrnähmungen des libanesischen Volkes gesprochen.
01:02:34: Was meinst du, kann man von diesen Beispielen vielleicht noch ableiten was man über die libanesische Gesellschaft sagen kann?
01:02:40: Für mich ist es vor allem wichtig dass wir glaube ich aufhören müssen über Gesellschaften per se in Konfliktregionen so zu sprechen als wären sie ein einziger Mensch.
01:02:48: Die Libanesen denken oder in dem Fall der Süden will oder die Menschen dort unterstützen.
01:02:54: Also solche Sätze werden der Realität eigentlich nie gerecht und wir beide haben auf dieser Reise ganz unterschiedliche Menschen getroffen.
01:03:02: Manche waren voller Wut, manche haben Hoffnung auf Frieden, manches sind super stolz darauf dass sie wiederaufgestanden sind andere sind nur erschöpft.
01:03:10: und genauso kann jemand Deutschland lieben und gleichzeitig auf die deutsche Politik massiv kritisch schauen.
01:03:18: und das alles existiert gleichzeitig.
01:03:20: und ich glaube genau diese Gleichzeitigkeiten halten wir beim Sprechen über den Libanon, aber auch über Israel und Palästine zu selten aus.
01:03:30: Und genau deshalb sind diese Begegnungen für mich journalistisch so wichtig weil du eben vor Ort ständig merkst dass es die einfachen Erzählungen nicht gibt und die auch nicht funktionieren.
01:03:40: Die Realität ist meistens komplizierter als die Schlagzeile die wir daraus machen Und ich habe die Schwerste dann irgendwann auch gefragt, wie sie eigentlich auf Deutschland blicken.
01:03:48: Weil Sie eben ja auch diesen starken Deutschlands Bezug haben.
01:03:52: und wir haben schon auf dieser Reise würde ich sagen immer mal wieder Kritik an Deutschland gehört vor allem wenn es um die deutsche Unterstützung Israel ist geht.
01:03:59: und Amel hat darauf folgendes geantwortet weil wir waren in Deutschland und wir uns richtig erlebt sie hat uns sehr viel... Wie heißt das?
01:04:10: Umarmt also!
01:04:12: Sie hat uns Geborgenheit gegeben.
01:04:15: Ja, Deutschland ist unsere zweite Heimatland.
01:04:20: Fühle ich das!
01:04:24: Die tut richtig helfen von ihrem Herzen.
01:04:27: und genau das hat mich tatsächlich überrascht weil sie eben mit so einer Wärme über Deutschland spricht und sagt hey Deutschland ist meine zweite Heimadund.
01:04:36: Damit hatte ich ehrlicherweise nach diesen vielen Gesprächen, die wir auf dieser Reise geführt haben nicht gerechnet.
01:04:40: Ich habe das selber auch über all die Jahre erlebt vor allem eben seit dem siebten Oktober XXIII dass sich auch der Blick im Libanon auf Deutschland eben verändert hat.
01:04:49: und ja das glaube ich passt eigentlich ganz gut zu dem wo wir gerade gesprochen haben.
01:04:54: man kann sich seinem Land sehr verbunden fühlen und gleichzeitig die Politik kritisieren und es widerspricht sich überhaupt nicht.
01:05:03: Was du sagst, ist super richtig und wichtig.
01:05:05: Und wir haben jetzt das Ende dieser Folge erreicht.
01:05:07: Wir wollen ihm aber viel mehr Raum schenken.
01:05:09: Deshalb geht es um diesen Blick auf Deutschland auch in unserer nächsten Folge.
01:05:14: Da sprichst du mit Hannah Foss in Beirut die seit vielen Jahren als Deutsche im Libanommen lebt und arbeitet und magst du vielleicht schon mal einen kleinen Ausblick geben wobei ihr in zwei Wochen sprechen werdet?
01:05:25: Ja, also mit Hannah werde ich vor allem darüber sprechen wie Deutschland aus dem Libanon wahrgenommen wird.
01:05:31: Unsere Politik aber vor allem auch unsere Berichterstattung die kennt eben beide Perspektiven sehr gut und wir sprechen darüber welche blinden Flecken es auch in der deutschen Berichterstattung gibt und wo ja unser Blick auf den Libanonen manchmal vielleicht auch ein bisschen verkürzt ist.
01:05:47: Wir werden uns auch nochmal, wie versprochen genau mit der Hezbollah beschäftigen.
01:05:50: Denn auch da ist der Blick in Deutschland oft ein anderer als der Blick innerhalb des Libanons und ich glaube man muss diese unterschiedlichen Perspektiven kennen wenn man verstehen will welche Rolle die Hezbolat dort tatsächlich spielt.
01:06:03: Und genau diese Folge heute ist sehr nah an den Menschen und ihren Geschichten und in nächsten Folgen wollen wir einiges von dem was wir hier erleben und hören noch mal stärker einordnen.
01:06:15: In Folge drei wechseln wir noch einmal die Perspektive.
01:06:17: Du bist mit einem deutschen Politiker aus der Bundesregierung sprechen und ihm einige der Menschen und der Geschichten, die wir heute gehört haben näher bringen.
01:06:26: Denn es geht auch darum in der Folge was deutsche Außenpolitik zu den Menschen lieber noch konkret bedeutet und auch welche Verantwortung Deutschland dabei trägt.
01:06:34: Und da seid ihr jetzt gefragt denn wir wollen auch eure Fragen nennen.
01:06:38: Wenn ihr diese Folge bis hierhin gehört habt und etwas wissen wollt, dass Sophia dem Politiker fragen sollte, dann schickt uns eure Fragen bis zum kommenden Donnerstag.
01:06:47: Das ist der erste Oktober an spotlights at SophiaMaya.com Und wir werden uns das alles durchlesen und einige dürfen noch mit ins Gespräch nehmen.
01:06:56: Genau!
01:06:59: passen wollt, was mich sehr, sehr freuen würde.
01:07:02: Abonniert Spotlights und wenn euch diese erste Folge auch gefallen hat, freuen wir uns sehr über ein Like einen Kommentar Oder wenn ihr uns einfach weiter empfehlt, oder wenn ihr auch unsere unabhängige und freie Arbeit unterstützen wollt.
01:07:16: Das könnt ihr natürlich auch!
01:07:17: Alle Möglichkeiten dazu findet ihr in den Show-Nodes Und dort findet Ihr auch unsere Social Media Kanäle und ihr könnt viele der Menschen und noch viel mehr die ihr heute nur gehört habt auch einmal sehen.
01:07:29: Wir werden euch dort ja sehr sehr eng mit auf unsere Reise in den Libanon nehmen.
01:07:35: Es war mir eine große Freude, lieber Steffi.
01:07:37: Unsere erste Folge ist geschafft!
01:07:41: Vielen Dank liebe Sofia und bis zum nächsten
01:07:43: Mal.
01:07:44: Ciao.
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